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Urs Graf. Bio Grafisches

Schülerarbeit

"Am See" 1992, Geschenk für S.R., 14.2x10.4cm.

Urs Graf, Seiten aus dem Oktavheft "Na und...!", Mai 2010, Blattformat 17.5x10.8cm.

Urs Graf, Zeichnung auf Serviette, 1990er Jahre, ca.13x9cm.

Schülerarbeit

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Urs Graf. Bio Grafisches

Schulklassen begegnen einem Thurgauer Künstler

15.02.2017

Vom 14. April bis zum 12. Mai 2013 zeigte der Kunstverein Frauenfeld im Bernerhaus in Frauenfeld eine Ausstellung von Urs Graf mit dem Titel «Urs Graf. Bio Grafisches». 

Als ich im Herbst 2012 von der geplanten Ausstellung hörte, tauchte gleich die Idee auf, zu «Urs Graf. Bio Grafisches» ein Vermittlungsprojekt durchzuführen. Atelierbesuche bei Urs Graf bestärkten mich, denn ich nahm an, dass seine neuen Arbeiten durch ihre Unmittelbarkeit und den stark durch Collagen geprägten Charakter die Kinder und Jugendliche sicher ansprechen und ermuntern können, ihre eigenen Erlebnisse auf ähnliche Weise zu verarbeiten.

Teilnehmende Klassen:
12 Klassen der Schulen Frauenfeld, Kindergarten bis Sekundarschule, 211 Schülerinnen und Schüler, 12 Lehr- und 16 Begleitpersonen

Sparte / Bereich:
Kunst & Baukultur

Projektbeschreibung:
Ein Workshop bestand aus vier Teilen, die ich allerdings je nach Klasse, d.h. Altersstufe und zur Verfügung stehender Zeit anpasste.

1. Dialogische Einführung in das Werk von Urs Graf im ersten Raum, der vor allem biografisches Material enthielt. Wir «lasen» in der gezeichneten und gemalten Biografie von Urs Graf und verschafften uns so einen Überblick über das Leben und die zentralen Arbeitsweisen des Künstlers wie Sammeln, Zusammenstellen und Collagieren, Malen und Übermalen.

2. Vorstellung der Skizzenbücher in der Vitrine mit besonderer Berücksichtigung des Oktavheftes, in dem sich der Künstler durch Zeichnen mit Filzstift laufend eigene Vorlagen zur Weiterbearbeitung schafft. Eigene Versuche mit Oktavheft, das die Schülerinnen und Schüler anschliessend mitnehmen konnten.

3. Schauen und Wiedergeben war das Thema des dritten Teils, in dem wir uns der geschlossen gehängten Gruppe von 15 Portraits aus New York widmeten.
Die Kinder und Jugendlichen erhielten die Aufgabe, auf Notizzettel, ähnlich denen von Urs Graf, wiederholt Portraits abzuzeichnen, um das Auge zu schulen und die Hand zu lockern. Alle Lehrpersonen erhielten einen Block, um in der Schule weiterhin im gleichen Stil zu porträtieren.
Dann erhielten alle ihren eigenen Classeur, und wir begannen, damit zu arbeiten. Meine vorgängige Aufforderung an die Lehrpersonen, ihre Schülerinnen und Schüler aufzufordern, ihre Hosentaschen einige Tage lange nicht zu leeren, erbrachte teilweise reiches biografisches Sammelmaterial für die Verarbeitung im Classeur. 

4. Im vierten Teil stellte ich den Schülerinnen und Schülern die von Urs Graf für die Ausstellung zusammengestellten und gestalteten Classeurs vor.

Projektumfang / Dauer:
Die Projektvorbereitung dauerte sechs Monate und etwa 54 Stunden. Die 19 Workshops dauerten insgesamt rund 38 Stunden (2-3 Lektionen), Vor- und Nachbereitung der Workshops beanspruchten nochmals rund 60 Stunden. 

Ziele:

  • Begegnung schaffen zwischen den Werken eines Künstlers und Schulkindern
  • Genau hinschauen und sich mit den besonderen künstlerischen Ausdrucksformen von Urs Graf      auseinandersetzen
  • Gestalterisches Tun als Möglichkeit der Verarbeitung von eigenen Erlebnissen erleben
  • Das Projekt war so angelegt, dass die Klassen im Zeichenunterricht weiterarbeiten konnten.

Budget und Finanzierung:
Das Projekt wurde von den Schulen Frauenfeld und der Kulturstiftung des Kantons Thurgau finanziert. Die Räumlichkeiten wurden vom Kunstverein Frauenfeld und dem Kirchenrat der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau kostenlos zur Verfügung gestellt.

Fazit / Erfahrungen / Tipps:
Wie erwartet sprach das Schaffen von Urs Graf die Kinder und Jugendlichen stark an. Die Haltung des Sammelns, Zusammentragens, Gestaltens und Collagierens kam ihnen sehr entgegen und nahm ihnen die Hemmschwelle, selber schöpferisch tätig zu werden. Die Ziele wurden erreicht.

Auch dieses Projekt hatte zum Ziel, im Unterricht eine Fortsetzung zu finden. Entsprechend waren die Workshops aufgebaut und entsprechend gab ich auch das Material ab, damit die Lehrpersonen mit ihren Klassen weiter daran arbeiten konnten. Aufgrund der mannigfaltigen Rückmeldungen von Lehrpersonen komme ich zum Schluss, dass das obige Ziel erreicht wurde. So berichteten mir Lehrpersonen, dass sie in der Klasse noch an den Classeurs und mit den Oktavheften gearbeitet hatten.

Der Künstler Urs Graf schrieb in seinem Projektrückblick folgendes: «Die Idee, einen "Classeur", wie ich es ausgestellt hatte, gestalten zu lassen, kam bei Lehrkräften und Kindern sehr gut an. So erfuhren sie einiges über meine künstlerischen Anliegen und meine Arbeitsweise. Sie realisierten wohl auch alle, dass "Zeichnen können" nicht einfach schön und genau abzeichnen heissen muss, sondern, dass es im Gestalterischen um kreative Prozesse gehen kann. Sie lernten, wie solche Prozesse ausgelöst werden können und wie man zu Ideen gelangen kann. Erfahrungen, welche ja weit über den Kunstunterricht hinaus führen und mit Bildungszielen allgemein zu tun haben.»

Projektleitung/Kontaktperson: 
Silvia Peters, 052 721 42 45, silvia.peters@bluewin.ch

Schule:
Schulen Frauenfeld

Zusammenarbeit mit folgenden Kulturschaffenden / Institutionen:
Urs Graf, Ermatingen

Dokumentation: 
Einen fotografischen Einblick in die Workshops finden Sie hier.