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Gedisst

1990

Buchinformation

– Kategorie: Jugendbuch Oberstufe (13 bis 16 Jahre)
– ab Alter: Ab 13
– Thema: Gewalt, Aussenseiter, Kriminalität, Familie, Freundschaft, Jugendprobleme
– Verlag: Bloomoon, München
– ISBN: 978-3-8458-1263-2
– Erscheinungsjahr: 2015
– Allgemein: 219 Seiten Klappenbroschur Fr. 14.90
– Datum Rezension: 18.11.2015

Gedisst

Autor: Daniel Höra

Alex ist 14 und lebt mit seinem arbeitslosen, alkoholkranken Vater und der älteren Schwester Nora in einer heruntergekommenen Plattenbausiedlung in Ostdeutschland. Arbeitslosigkeit, Alkohol, Drogen, Diebstähle, Neonazis und Gewalt gehören zum Alltag der Kleinstadt Schwedt, die nahe bei Berlin liegt. Bei Alex und seinen Freunden sieht jeder Tag gleich aus. Langeweile, herumhängen, Diebstähle, Drogen und Schule schwänzen. Bis in der Nachbarschaft eine alte Frau in ihrer Wohnung überfallen wird und kurz darauf stirbt. Jetzt steht Alex unter Mordverdacht. Nun wird er von seinen Kumpels ignoriert und regelrecht gedisst. Aus ehemals guten Freunden werden plötzlich lebensbedrohliche Feinde. Gedisst, ein Wort aus der Jugendsprache, so lautet der Titel des Buches und wiederspiegelt sehr genau was Alex wiederfährt. Laut Wikipedia leitet sich das Wort hauptsächlich vom umgangssprachlichen Verb „dissen“ und vom englischen „disrespect“ oder „discriminate“ ab. Es steht für „jemanden schlecht machen“, ihn „schräg anmachen“, „respektlos behandeln“ oder „ ihn schmähen“. Obwohl Alex immer wieder seine Unschuld beteuert, wird er von der Polizei, seinen Freunden, Schulkameraden, Lehrern und der Nachbarschaft behandelt, als wäre er der brutalste Mörder.

Dem Autor gelingt es, seinen Erzählton so alltäglich und authentisch zu halten, dass der Leser die beängstigend realistischen Figuren, sowie die atmosphärisch dichte Schilderung des Milieus eindringlich fesselt. Die ausweglose Situation von Alex, macht einem beim Lesen fast traurig. Allein Debbie und Fetcher, seine neuen Freunde, halten weiterhin zu ihm und unterstützen ihn schliesslich auch bei der Suche nach dem wahren Täter. Höras Roman öffnet den Blick für Ursachen und Mechanismen jugendlicher Aggressivität, Gewalt und Kriminalität, kritisiert aber auch vorschnelles Verurteilen von Seiten der Medien und der Polizei. „Gedisst" zeigt den Lesern eine Welt, die sie hoffentlich nie erfahren und kennen lernen müssen. Gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger führt der Autor die Leser in ein Milieu, das durch Gewalt und Kriminalität geprägt wird. Trotzdem findet die Geschichte zu einem guten Ende, in dem Vertrauen und Freundschaft eine wichtige Rolle spielen. Das Buch eignet sich als Klassenlektüre hervorragend, da es viel Stoff für Diskussionen bietet und die Schüler sicher zum Nachdenken anregt.

C. Asprion