Ein Lichterfest für alle
Alessandro Zuffelato
Tobias Weinhold
Rahel Flückiger
Livia Vonaesch
Ein Lichterfest für alle
Ein partizipatives Kulturprojekt am St.Galler Schulhaus Halden
30.09.2026 - Praxis
In der Primarschule Halden (SG) bringen rund 500 Schüler:innen, deren Familien aber auch die zirka 50 Lehrpersonen sehr unterschiedliche Prägungen, Sprachen und Geschichten mit. Oft ist es eine Herausforderung, allen gerecht zu werden. Gerade deshalb bemüht man sich vor Ort besonders darum, das Schulleben aktiv zu gestalten und auch die Eltern mit einzubeziehen.
«Was verbindet alle miteinander?» Und: «Wie gelingt der Schritt vom Ich zum Wir?», sind zentrale Fragen, die die Schule aktuell beschäftigen. Deshalb nimmt sie auch am schweizweiten Projekt «Kulturagent.innen für kreative Schulen» teil, dass Schulen darin unterstützt, eine kulturelle Identität zu entwickeln.
Begleitet werden sie dabei von Kulturagentin Livia Vonaesch, die im vergangenen Schuljahr zusammen mit dem ganzen Team verschiedene Ideen und Visionen entwickelt hat. Eine davon: zum Jahresabschluss 2026 ein partizipatives Lichterfest zu begehen. An diesem soll Vielfalt gefeiert werden und auch erlebbar sein, dass das christliche Weihnachten nur eines der Feste ist, die Kulturen am Ende des Jahres feiern.
Und wie gestaltet man nun so ein Fest, bei dem man Menschen, Traditionen und Kulturen mit ihren Unterschieden aber auch Gemeinsamkeiten feiern möchte?
Livia Vonaesch hat für die Planung und Umsetzung dieses «Lichterfestes» drei Ostschweizer Kunstschaffende eingeladen.
Mit diesen wird seit Anfang September der Anlass, der am 8. Dezember 2026 stattfindet, vorbereitet. Dazu werden drei Workshops durchgeführt, in denen es um persönliche Spuren, Klänge, Bilder, Materiale, Geschichten und Begegnungen geht.
Gemeinsam klingen
Bei Musiker Alessandro Zuffellato steht die eigene Stimme im Zentrum. Die Kinder erforschen Geräusche, Rhythmus und Sprache jenseits von richtigen oder falschen Worten. Sie erleben, dass jede Stimme Teil eines gemeinsamen Klangraums werden kann. Aus einzelnen Lauten und Rhythmen entsteht ein akustisches Wir: ein Klangorchester, in dem nicht die einzelne Leistung zählt, sondern das Zusammenspiel. Gerade in einer vielsprachigen Schule eröffnet dieser Zugang eine Form von Verbindung, die nicht über das Verstehen von Sprache funktionieren muss, sondern mittels hören, reagieren, wiederholen, antworten und gemeinsames klingen.
Geschichten sichtbar machen
Bei Tobias Weinhold und Cup of Color geht es um das Zeichnen als Form des Ausdrucks. Die Kinder erfahren, dass jede und jeder zeichnen kann und dass Zeichnung nicht perfekt sein muss, um etwas mitzuteilen. Die Kinder erleben, dass im gemeinsamen Zeichnen mehr möglich wird, als wenn jede:r nur alleine arbeitet. Das Bild wird zu einem Ort, an dem viele Handschriften, Perspektiven und Geschichten zusammenkommen.
Sinnesstationen und Lichtobjekte
Bei Rahel Flückiger steht das Arbeiten mit vorhandenem und wiederverwendetem Material im Zentrum. Die Kinder lassen sich von Fundstücken, Restmaterialien, Licht, Raum und Atmosphäre inspirieren. Nicht die Frage «Was brauchen wir, um eine bestimmte Idee umzusetzen?» steht am Anfang, sondern: «Was ist da, und was kann daraus entstehen?» Aus Materialien, die sonst vielleicht übersehen oder weggeworfen würden, entwickeln die Kinder gemeinsam Installationen, Sinnesstationen, Lichtobjekte, Wege oder kleine räumliche Erzählungen.
Am 8. Dezember 2026 kommen diese Prozesse am Lichterfest zusammen. Die Schule verwandelt sich dann in einen begehbaren Erfahrungsraum. Eltern, Familien und Besucher sind nicht nur Publikum, sondern werden von den Kunstschaffenden, Lehrpersonen und Kindern eingeladen, mitzuwirken, zu zeichnen, zu klingen, zu bauen, wahrzunehmen und weiterzudenken.
kklick wird am Lichterfest dabei sein und im Anschluss über den gemeinsamen Moment des Forschens, Gestaltens und Verbindens berichten.
