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Kulturelle Bildung vermittelt Kindern Fähigkeiten und Haltungen

Kulturelle Bildung vermittelt Kindern Fähigkeiten und Haltungen

kklick im Gespräch mit Sascha Angehrn

03.03.2026 - Menschen

Wenn's um das Thema Schule geht, kennt sich Sascha Angehrn bestens aus. Der neue Leiter des Amtes für Volksschule des Kantons Thurgau war zuvor Primar- und Sekundarlehrer, Schulleiter und Schulbehördenmitglied. Ausserdem hat der gebürtige Amriswiler selbst Kinder und sieht so auch von der anderen Seite, was Schule alles mit sich bringt. Seit Anfang Februar 2026 ist er in seiner neuen Funktion aktiv. Und im Interview mit kklick verrät er nun, was er sich für die Thurgauer Schulen vorstellt, und auch, wovon ihm schwindlig wird.

Was bedeutet Kultur für Sie im Leben?
Ich bin in Amriswil aufgewachsen und lebe heute wieder hier. Der Slogan «Stadt Amriswil – Leben mit Kultur» passt für mich sehr gut, denn er beschreibt, wie vielfältig die kulturellen Möglichkeiten vor Ort sind.
Kultur vermittelt das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Sie prägt, wie wir uns selbst sehen und wie wir unseren Platz in einer Gruppe finden. Durch die vielen Veranstaltungen in Amriswil kann ich diese kulturelle Vielfalt im Alltag erleben und aktiv daran teilhaben.
Ein wichtiger Teil meines eigenen kulturellen Lebens ist das Singen. Ich singe gerne und regelmässig. Musikmachen fördert Kreativität, stärkt die emotionale Ausdruckskraft und vermittelt ein Gefühl von Selbstwirksamkeit – etwas, das meinen Alltag bereichert und mir viel bedeutet.

Gibt es ein erstes «kulturelles Erlebnis», das Sie geprägt hat?
Als Primarschüler besuchte ich mit meiner Familie das Museo d’arte della Svizzera italiana in Lugano. Dieser erste Kontakt mit der Kunstwelt ist mir in sehr guter Erinnerung geblieben. Die Eindrücke von damals haben mich später immer wieder dazu motiviert, weitere Museen zu besuchen und meine Neugier für Kunst und Kultur weiterzuentwickeln.
Die farbigen Bilder der Expressionisten haben mich damals besonders begeistert. Ihre kräftigen Kontraste, die emotionale Intensität und die unmittelbare Ausdruckskraft haben mich schon als Kind fasziniert und mir gezeigt, wie stark Kunst wirken kann.

Welche Kulturveranstaltung, die Sie unlängst besucht haben, war für Sie ein Highlight und warum?
Der Liederabend von Manuel Walser Ende Februar in der Tonhalle St.Gallen hat bei mir noch lange nachgeklungen. Seine Darbietung war so fein nuanciert und gefühlsstark, dass sie einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Manuel Walser ist ein aussergewöhnlicher Künstler: in der Ostschweiz aufgewachsen, international bekannt und mit einem bemerkenswerten sängerischen Können ausgestattet. Die Art, wie er seine Stimme einsetzt – präzise, differenziert und zugleich sehr emotional – hat mich beeindruckt.

Sie selbst haben zwei schulpflichtige Kinder. Hand aufs Herz: Wie wichtig ist Ihnen als Vater, dass Ihre Kinder in der Schule auch kulturell gebildet werden?
Kulturelle Förderung ist mir als Vater wichtig, weil sie unseren Kindern Fähigkeiten und Haltungen vermittelt, die für ihre persönliche Entwicklung zentral sind. Sie unterstützt sie dabei, sich in einer vielfältigen Welt zurechtzufinden, stärkt ihre Persönlichkeit und fördert ihre sozialen Kompetenzen. Unsere beiden Kinder lernen ein Musikinstrument und wurden durch ihre Mutter, die eine besondere Affinität zur gestaltenden Kunst hat, früh kreativ begleitet. Diese Erfahrungen haben ihnen nicht nur Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet, sondern auch ihre Neugier und Offenheit gefördert. Weil jedoch nicht alle Kinder die gleichen familiären Voraussetzungen mitbringen, ist es mir im Sinne der Chancengerechtigkeit ein Anliegen, dass kulturelle Bildung allen Kindern in der Schule unabhängig von ihrem familiären Hintergrund zugänglich ist.

Welche Verantwortung sehen Sie in Ihrer neuen Position auf sich zukommen, um kulturelle Bildung an den Thurgauer Schulen weiter zu fördern, zu stärken und nachhaltig zu verankern? 
In der neuen Funktion als Amtschef sehe ich eine klare Verantwortung darin, kulturelle Bildung an den Thurgauer Schulen nicht nur zu unterstützen, sondern als festen Bestandteil des schulischen Lernens zu integrieren. Kulturelle Bildung ist ein zentraler Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung, zur sozialen Teilhabe und zur Fähigkeit, sich in einer vielfältigen Gesellschaft sicher zu bewegen. Sie eröffnet Kindern Zugänge zu Ausdruck, Kreativität und Reflexion, die weit über den Unterricht hinauswirken.

Welche Frage zu Ihrer Tätigkeit wurde Ihnen noch nie gestellt und Sie würden diese allzu gerne beantworten? 
Ich würde gerne einmal gefragt werden: Wie schaffen Sie es eigentlich, bei all den Sitzungen trotzdem kulturell inspiriert zu bleiben? Dann könnte ich sagen: Mit viel Kaffee, guter Musik und der Hoffnung, dass Kultur auch in Sitzungssälen überlebensfähig ist.

 

Ergänzen Sie bitte folgende Satzteile oder Stichworte:

Dieses Buch würde ich auf die berühmte einsame Insel mitnehmen:
Als ich in Australien war, oft am Strand, las ich das Buch «Der Zauberberg» von Thomas Mann. Das Buch zeichnet sich durch eine dichte Atmosphäre aus, ist zeitlos und erinnert mich an die Schweizer Berge. Das wäre eine gute Insellektüre.

Davon wird mir schwindlig:
Schon der Gedanke daran macht mich schwindlig. Ich habe ausgeprägte Höhenangst, und sobald ich mich im Freien in mehr als 20 Metern Höhe befinde – etwa auf einer Staumauer oder einem Balkon – setzt bei mir sofort Schwindel ein.

Immer wieder lustig:
Unerwartete Ehrlichkeit von Kindern, sie sagen Dinge, die Erwachsene denken, aber nie aussprechen würden.

In fünf Jahren möchte ich:
Mein Ziel ist es, in fünf Jahren zurückzublicken und sagen zu können: Wir haben zusammen viel Gutes geschaffen und den Thurgauer Schulen spürbar weitergeholfen.

Auf dieses Kulturerlebnis freue ich mich:
Auf die Oper «Così fan tutte» von Wolfgang Amadeus Mozart im Theater St.Gallen.

 

Wir danken herzlich für das Interview.