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«Raus mit euch!»

«Raus mit euch!»

Von Draussen-Zeit profitieren

26.05.2026 - Aktuell

Von Clint Eastwood soll die Aussage stammen: «Jemand hat mal gefragt, warum ich gerne draussen filme. Ich habe geantwortet: ‹Im Studio sucht jeder nach einem Stuhl, wo er sich hinsetzen kann. Draussen arbeiten alle›.» Doch Hollywood und Spass beiseite. Vom «Draussen-Sein» profitieren nicht nur Filmemacher: Prosoziales Verhalten, Stressreduktion und antidepressive Wirkung sind nur einige der positiven Effekte, die der Gang in die Natur mit sich bringt! Das ist mittlerweile empirisch belegt. Weshalb also nicht mal das Klassenzimmer gegen den blauen Himmel eintauschen? 

Bevor wir einige ganz konkrete Vorschläge machen, wie das gehen könnte, einige Zahlen: 1960 belief sich der tägliche Bewegungsradius eines Zehnjährigen auf mehrere Kilometer rund ums Elternhaus. 2026 liegt die Distanz zwischen Kind und Kinderzimmer oft unter 500 Metern! 90% ihrer freien Zeit verbringen Menschen zwischen 6 und 16 Jahren zudem sitzend, liegend oder mit leichter Tätigkeit. Die sogenannten «unorganisierten Alltagsbewegungen», wie etwa Treppensteigen, sind konstant rückläufig. 

Tatsächlich hat sich Kindheit und Jugend in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend in die eigenen vier Wände hinein verlagert. Dinge wie Smartphones, Tablets und Co. machen Austausch mit Gleichaltrigen problemlos vom Sofa aus möglich und Langeweile kommt gar nicht mehr auf.

Die Folge: Echte Draussenerlebnisse im eigenen Quartier und darüber hinaus werden durch digitale Welten abgelöst. Diese Natur- und Realitätsdistanzierung fordert ihren Tribut. Kinderärzt:innen wie Psycholog:innen verzeichnen bei ihrer jungen «Kundschaft» Einschränkungen bei der körperlichen und kognitiven Entwicklung. Motorische Kompetenzen wie Klettern, Bälle fangen oder Streichhölzer anzünden nehmen ab. Und einstige «So-herzig-Moment», wie etwa einen Käfer in der Hand zu halten, finden viele heute eher grausig.

Umwelt als Entwicklungsraum

Dabei war die natürliche Umwelt über Jahrtausende hinweg der selbstverständliche Entwicklungsraum der Menschen. Und auch heute sind Fachpersonen wie der Kinderarzt und Sachbuchautor Dr. Herbert Renz-Polster der Meinung: Kinder und Jugendliche müssen raus in die Natur, denn dort schärfen sie ihre (Fein-)Motorik, ihre Kreativität und Problemlösungsfähigkeiten. Und mehr noch: Gemeinschaftssinn und seelisches Wohlbefinden werden vom Aufenthalt in und der Auseinandersetzung mit der Natur positiv beeinflusst. 

Weiter gedacht heisst das auch: Pädagog:innen sollten ihre Schützlinge darin unterstützen, «Draussen-Sein» zu leben. Magnus Jung, Präsident des Verbandes der Schulleiterinnen und Schulleiter Thurgau, hat dazu eine klare Meinung. Beim kklick Netzwerktreffen #47, das sich am 6. Mai 2026 unter dem Titel «Raus!» mit kulturellen Bildungsmöglichkeiten an ausserschulischen Lernorten befasste, betont er: «Ausserschulische Lernorte sind mehr als ein Ortswechsel. Gerade weil dort nicht alles vollständig planbar oder verfügbar ist, entstehen oft besonders wertvolle und vielfältige Bildungsprozesse.»

Schüler:innen erweiterten so ihren Erfahrungsraum hinein in die Welt und kämen mit völlig neuen Dingen in Berührung. «So entsteht gute Schule.», resümiert er abschliessend. «Indem man die vertraute Unterrichtsumgebung verlässt und Lerninhalte in neuen Kontexten erlebbar macht».

Wie wäre es deshalb beispielsweise, einmal mit LandArt im Aussenraum Kunst zu erschaffen? Oder Amphibien besser kennenzulernen? Oder oberhalb des Walensees einen ganz besonderen Ort zu erkunden? Auf kklick gibt’s für Lehrpersonen zahlreiche Anregungen für Bildung ausserhalb des Klassenzimmers. In diesem Sinne: Raus mit euch!