kklick

Farbe ins Leben

Farbe ins Leben

Atelierbesuch in der Dogo Residenz für neue Kunst

18.08.2021 - Praxis

Die Zeit während einer Pandemie ist mühsam, trist, traurig und farblos, wie wir alle feststellen mussten. Deshalb entschieden wir uns, mit unseren Kindergartenkindern etwas Farbe ins Leben zu bringen. Was eignet sich da besser als das Thema Kunst?! Über ein Semester lang sind wir in die Welt der Kunst eingetaucht. Dazu gehörte auch, den Kindern die Möglichkeit zu geben, Künstlerinnen und Künstler der heutigen Zeit kennenzulernen. Auf unseren Recherchen sind wir auf das kklick-Angebot «Tatort Atelier» im Rahmen der Dogo Residenz für Neue Kunst gestossen. Dies schien uns passend und somit wurde unser Kunstausflug geplant.

An einem Mittwoch, im vierten Quartal, war die Kinderschar aufgeregter als sonst. Früher als gewohnt standen alle 27 Kindergartenkinder vor der Türe. Gemeinsam durften wir mit dem eigens gemieteten Car nach Lichtensteig fahren. Je näher wir kamen, desto aufgeregter die Fragen: Wo müssen wir hin? Was machen wir für Kunst? Wer wartet in Lichtensteig auf uns?

Nach einem kurzen Fussmarsch waren wir an unserem Zielort, einem Schulhof in Lichtensteig, angekommen. Mit grossen Augen schauten und hörten die Kinder der Erklärung des Einstiegsspiels zu. Motiviert rannten sie zum Farbenspiel auf dem Schulhof umher. Nach einer kleinen Stärkung war es endlich soweit. Wir durften in die grosse Turnhalle, in welcher die Künstlerinnen und Künstler arbeiteten. Die Kinderschar war kaum zu bremsen. Gab es doch so viel zu entdecken in diesem grossen Raum voller Material. «Das gseht für mich us wie e Angle», war die Reaktion eines Jungen auf einen Stock mit einer Schnur dran. «Ihhhh. Do häts Spinne», schrie ein Mädchen als sie ein Drahtgebilde betrachtete. Die Augen wurden riesig als an der Decke ein Helikopter entdeckt wurde, der aus Abfallmaterialien zusammengestellt wurde. Nach dem Erkunden der Materialien in der Turnhalle durften die Kinder selbst ans Werk. Zwei Künstlerinnen und ein Künstler luden uns ein, sich in ihre Art der Kunst zu vertiefen.

Der Künstler Tom Kemp sprach Englisch mit uns. Obwohl die Kinder erst nach dem Übersetzen verstanden, was er erzählt hatte, hingen sie bei jedem Wort an den Lippen des Animationskünstlers. Als Einleitung durften die Kinder sich einen kurzen Animationsfilm anschauen, welcher bis in die kleinsten chemischen Verbindungen eines Blattes eintauchte. Dann war die Kreativität der Kinder gefragt. Jedes durfte einen Gegenstand aus einer Schachtel aussuchen und danach haben wir uns gedanklich auf mikroskopische Grösse geschrumpft. Fleissig wurden Bilder zu dieser Szene gemalt: Ein Brokkoli wirkte wie ein riesiger Baum, auf welchem Baumhäuser gebaut wurden, eine Zugfeder wurde zu einem Floss umfunktioniert und vieles mehr.

Mit Hilfe von kleinen Papierrahmen gingen die Kinder bei der Künstlerin Sarah Valérie Steiner auf angefangenen Kunstwerken auf Entdeckungstour. Welcher Ausschnitt gefällt mir am besten? Warum gefällt er mir so gut? So wurden die Lieblingsfarben gefunden und mit Erinnerungen assoziiert. Beim Türkisblau waren die Kinder in Gedanken plötzlich am Meer oder beim Grün in einen Garten mit vielen Pflanzen. Mit Neocolor durften die Kinder schlussendlich auf nicht vollendeten, eingefärbten Bildern ihre Ideen ergänzen. Im dritten Workshop mit Silke kleine Kalvelage durften die Kinder nach Lust und Laune mit verschiedenen Materialien Kugelbahnen entwerfen. Kaum im Raum, haben sie sich Draht, Hammer, Nagel, Kugeln, Röhren und was sonst noch so herumlag geschnappt und schon wurde fleissig gebaut.

Müde und erschöpft aber mit zufriedenem Gesichtsausdruck und einem Rucksack voller neuer Eindrücke konnten wir uns dann dem verdienten Mittagessen widmen. Die Begleitung des Ausfluges durch drei statt zwei Lehrpersonen – damit die Kunstschaffenden in der Dogo Residenz alle eine Lehrperson zur Unterstützung in ihren Workshops haben – stellte sich als sehr wertvolle Überlegung heraus. Der Halbtag war gut strukturiert und die Kinder konnten mit vielen schönen Eindrücken nach Hause gehen. Ich würde den Ausflug wieder so planen, denn auf die Frage hin, was den Kindern am besten gefallen hat, war der Tonus einstimmig: «Alles!».

-Nadine Joho, Kindergarten Rossrüti