«Zur Schweizer Sprachkultur gehören eben auch Mundart-Lieder und Jodeln dazu.»
«Zur Schweizer Sprachkultur gehören eben auch Mundart-Lieder und Jodeln dazu.»
Mit Jodeln Sprach- und Sprech-Ängste lindern
03.06.2026 - Praxis
Im Januar 2026 haben wir hier im Blog von einem geplanten Jodelprojekt – Stichwort: Sprachdefizite bekämpfen – unter der Regie der Kulturverantwortlichen Karin Bäumlin berichtet. Mittlerweile sind aus diesen Ideen Taten geworden. Und was für welche! Neugierig haben wir bei Karin nachgefragt.
Karin, deine Idee und Hoffnung war im Januar, Kinder mit Sprachdefiziten, sei das nun mit oder ohne Migrationshintergrund, durchs Jodeln zu besserem Wortschatz und besserer Aussprache zu verhelfen und vor allem: Sprech- und Sprach-Ängste abzubauen. Hat das funktioniert?
Und wie! (lacht). Tatsächlich war ich auch nicht mehr die einzige bei uns an der Schule, die am Projekt beteiligt war. Denn als die Kolleginnen erfahren habe, was ich plane, sind viele auf mich zugekommen und wollten gerne mitmachen. Wir haben das dann aufgegleist und waren an insgesamt sechs Mittwochmorgen mit vier verschiedenen Kindergartengruppen «am Start».
Wie ging so ein Morgen über die Bühne?
Wir hatten dafür die Aula gebucht. Und dann kam die Sängerin Denise Mathis, in Tracht und mit Alphorn, und hat die Kinder im Rahmen von je 50 Minuten in die Texte und Klänge des Jodelns eingeführt. Und mehr noch. Sie hat den Kleinen zum Beispiel auch gezeigt, wie man sich fürs Jodeln aufstellt: Die Buben mit den Händen im Hosensack, die Mädchen mit den Händen in der Hüfte. Wie sie das alles gemacht hat, war pädagogisch und didaktisch vom Feinsten. Die Kinder waren völlig begeistert.
Und wenn Denise abwesend war, habt ihr auch selbstständig geübt?
Das haben wir. Und dafür war es grandios, dass Denise uns Texte und Voice-Aufnahmen von sich zur Verfügung gestellt hat, mit denen wir das Jodeln im Unterrichtszimmer wieder lebendig werden lassen konnten.
Aber beim Jodeln in der Aula und im Unterricht ist es nicht geblieben, oder?
Das stimmt. Das Jodeln hat die Kinder wirklich völlig in den Bann gezogen und ist sozusagen aus dem schulischen Umfeld «rausgeschwappt». Bald haben sich Eltern gemeldet und haben begeistert erzählt, dass die Kinder zuhause wunderbar auf Mundart singen und jodeln. Und auch der Hort kam auf uns zu und hat geschwärmt.
Gibt’s ein Jodel-Erlebnis aus dieser Zeit, das dich besonders berührt hat?
Davon gibt es sogar mehrere. Aber eine Sache vergesse ich bestimmt nie: Bei schönem Wetter gehe ich mit den Kindern immer am Altersheim vorbei in den Wald. Einmal sass draussen ein alter Herr und die Kinder haben ihm spontan ein Ständli gegeben. Das war so rührend, wie sich diese Zwergli aufgestellt haben: Mit den Händen in korrekter Position und los ging’s. Dem Herrn sind die Tränen gekommen vor Rührung.
Das klingt nach einem Erfolg auf der ganzen Linie.
Ich sehe das auch so. Deshalb wollen wir auch unbedingt weitermachen. Im Schulterschluss mit Denise gibt es in einigen Tagen mit meiner Klasse ein Konzert im Altersheim und auch eine Jodel-Einlage bei uns am Schul-Sommerfest. Und für das neue Schuljahr 2026/27 hoffe ich, dass wir gemeinsam mit Denise Mathis an dieser Sache dranbleiben könne. Ich finde es einfach sehr wichtig, dass man das Thema «Sprache» bei den Kindern in seiner Ganzheit wertschätzt: Dazu zählt die jeweilige Muttersprache eines Kindes und genauso die Schweizer Sprachkultur, zu der eben auch das Singen auf Mundart und Jodeln gehören.
Danke dir, Karin, für die spannenden Einblicke.
