Notendruck runter, Begeisterung rauf
Notendruck runter, Begeisterung rauf
Unterrichten mit kulturellen Methoden
23.03.2026 - Aktuell
Mit Begeisterung und ohne (zu viel) Druck geht fast alles. Das weiss so ziemlich jede:r aus eigener Erfahrung. Und gerade deshalb ist klar, dass eine ordentliche Portion Begeisterung im Klassenzimmer – bei Lehrpersonen wie bei Schüler:innen gleichermassen – von immensem Vorteil für den Unterrichts- und Lernerfolg ist. Doch wie stellt man es im letzten Schuljahresquartal mit Blick auf Sommer, Glacé und Badi noch an, dass deutsche Rechtschreibung, historische Jahreszahlen oder Grundlagen in Mathematik, sowohl begeistert weiter gegeben, als auch bei den jungen Gegenübern freudig aufgesogen und verinnerlicht werden?
Keine ganz einfache Aufgabe. Zumal der Stress- und auch Angstpegel im Klassenzimmer gemäss der jüngsten Pro-Juventute-Jugendstudie in den letzten Jahren immer weiter angestiegen ist. Die allgemeine Konzentration nimmt ab, psychische oder motorische Auffälligkeiten zu… und trotz oder gerade wegen dem soll nun auch noch Begeisterung gefördert werden?
Man kann es zumindest versuchen und als möglichen Hebel dafür kulturelle Bildung ins Spiel bringen. Denn bei ihr geht es darum, die Möglichkeiten der Wissensvermittlung auszuweiten und das oft partizipativ, interaktiv und kreativ. Doch wozu?
Es geht um menschliche Grundbedürfnisse
«Dazu 1»: Kulturelle Erlebnisse bringen die meisten Lernenden nicht mit schulischen Anforderungen und allenfalls beklemmendem Notendruck in Verbindung. Sondern mit Erfahrungen, die sie mit Abwechslung verbinden und die für sie besonders sind wie beispielsweise Begegnungen mit Profis aus der Musikbranche. Dadurch gehen sie unbelastet und locker an die Sache heran, wenn diese nun im Schulzimmer auftaucht.
Und «Dazu 2»: Aktivitäten wie Tanzen, Musizieren, Lesen oder Gestalten sind allesamt Aktivitäten, die über das sinnliche Erleben menschliche Grundbedürfnisse befriedigen, wenn man sich ihnen widmet. Zum Beispiel, den eigenen Körper spüren, in der Gruppe Gemeinschaft erleben oder Anerkennung erhalten, wenn man Neues lernt und vielleicht sogar – etwa bei einer Tanzaufführung – Applaus dafür bekommt.
Mit diesen beiden Aspekten – unbelasteter Kontakt und Befriedigung persönlicher Bedürfnisse – ist der Weg angelegt, um sich mit Begeisterung auf neue (schulische) Inhalte einzulassen. Und diese nach und nach zu beherrschen.
Unterricht anders denken
Warum also nicht (noch öfter) Unterricht anders denken, Stress runterfahren und kulturelle Methoden als Unterrichtschance nutzen?
Indem man Breakdance dazu einsetzt, den Körper und seine Bewegungsmöglichkeiten wahrzunehmen. Oder Informatik lehrt, indem man Theaterrequisiten das Blinken einprogrammiert. Oder Geschichtsfakten (beispielsweise zum Leben von Jeanne d`Arc) von gestern mit den Lebensthemen heutiger Schüler:innen verknüpft.
Apropos: Nicht nur wir sehen das so. Auch der renommierte Kinder- und Jugendarzt Remo Largo stellt in seinem Buch «Das passende Leben» (2018 im Fischer Verlag erschienen) fest, dass Kunst und Kultur mit zu den entscheidenden Faktoren gehören, die jeder Mensch für eine gesunde Entwicklung braucht.
