Plötzlich ist auf dem Ölgemälde eine Cola-Flasche
Plötzlich ist auf dem Ölgemälde eine Cola-Flasche
Kulturelle Entdeckungen für Lernende im Rahmen der GBS Kulturwochen
08.12.2025 - Aktuell
Findet den Fehler. Mehrere Minuten lang liess Kunstvermittlerin Nina Tschümperlin die Sanitärinstallateure EFZ das Werk von Thomas van Apshoven aus dem Jahr 1651 betrachten. Die Klasse konnte das Ölgemälde auf Kupferplatte der Stilrichtung Barock zuordnen. Da es im 17. Jahrhundert noch keine industriell hergestellten Farben gab, erklärte Tschümperlin: «Der Künstler hat das Pigment manuell mit Öl verrührt. Die Farbe Königsblau musste beispielsweise aus einem kostbaren Gestein gewonnen werden. Damals war das preislich gleichzusetzen mit Gold.»
Das Gemälde ist Teil der Ausstellung «Sammlungsfieber», in welcher das St.Galler Kunstmuseum seine Bestände zeigt.
Kunstfälschung erkennen
Thomas von Apshoven bildet darauf eine Kunstkammer-Szenerie ab. Ein Raum voller Gemälde, Sammlungsobjekte und der Maler David Teniers vor einer Staffelei. Dieses einem Wimmelbild ähnliche Kunstwerk war wie gemacht für den nachfolgenden Auftrag. Die Lernenden suchten auf einer ausgedruckten Fälschung die Fehler und fanden nebst Mona Lisa auch eine Cola-Flasche.
Beatboxen, Tanz und Unizal-Schrift
Insgesamt 28 solcher Workshops standen während der Sonderwochen Kultur vom 10. bis 21. November 2025 für die Lehrpersonen und ihre Klassen zur Auswahl. Wie in den vergangenen Jahren ludt beispielsweise die Theatertanzschule des Theaters St.Gallen zum Tanz und im Textilmuseum konnten eigene Modekreationen auf Papier gebracht werden. Neu im Programm war unter anderem der Workshop des Materialmarkts Offcut. Aus Restmaterialien liessen die Lernenden Bilder entstehen und setzten diese anschliessend in einen eigenen Kurzfilm um.
Im Stiftsbezirk machten sich die Klassen auf zu einem Rundgang zum Thema «Aufwachsen und Leben in einem Kloster» und lernten die Unizal-Schrift – mit Rohrfeder und Tinte. Wer es mag, mit seiner Stimme zu experimentieren und zu singen, war wiederum beim Workshop «Beatboxen, Loopen und Circelsingen» von Alessandro Zuffellato an der richtigen Adresse.
Rappen zu Operngesang
Auch das Coaching von Rapper Kronov, alias Julian Konsulov, kam bei den Lernenden bestens an. «In einem Rap kann jede und jeder das ausdrücken, was in einem steckt», erklärte er den angehenden Elektroinstallateuren EFZ und den Unterhaltspraktikern EBA. Kronov selbst arbeitet derzeit gemeinsam mit seinem Vater an einem neuen Song. Darin rappt er zu den Opernklängen seines Vaters, Ivan Konsulov.
Wie kommt Kronov auf solche Ideen? «Für die schnelle Inspiration ist es immer gut, wenn ihr alles aufschreibt, was euch in den Sinn kommt. Packt alle Emotionen in einen Song», riet er den Lernenden.
Vom Begriff über das Reimwort zum Rap
Als Unterstützung empfahl der Rapper, eine Mindmap für die kreative Ideenfindung zu nutzen. Zudem zeigte er eine einfache Struktur, mit der sich ein Text Schritt für Schritt aufbauen lässt: Zuerst Begriffe zum Thema sammeln, dann Reimwörter suchen und schliesslich zwei Zeilen daraus formen. «Ein Beispiel mit euren Inputs: Wir träumen von Luxus, jedoch essen wir zuhause Couscous.» Professionell gecoacht und ausgestattet mit dem passenden Beat konnten sich die Lernenden dann ganz dem Rappen ihrer eigenen Story hingeben…
kklick – Kulturvermittlung Ostschweiz freut sich, dass die Kooperation mit dem GBS St.Gallen auch in diesem Jahr wieder möglich war und die Sonderwochen Kultur mit Unterstützung des Amtes für Kultur des Kantons St.Gallen bereits zum siebten Mal gemeinsam durchgeführt werden konnten.
Rund 500 Lernende aus 22 verschiedenen Lehrberufsgruppen nahmen im Rahmen des Allgemeinbildenden Unterrichts daran teil. Das Angebot der GBS Sonderwochen Kultur hat bei den Lernenden grossen Anklang gefunden. Viele lobten die Abwechslung zum Schulalltag sowie die kreativen und unterhaltsamen Inhalte. Und sie können sich auch schon auf die nächste Durchführung im November 2026 freuen!
